Braunschweiger Zeitung vom 18 Mai 2000
Braunschweiger Zeitung - Logo

Wiederaufbau-Immobilie und private Investoren übernahmen Baugebiet am Zoo

Mit dem Kasten Bier direkt vor die Haustür
Von Karla Götz

In Sachen Baugebiet "Am Zoo" tut sich was. In einer Sondersitzung stimmte der Bezirksrat Stöckheim/Leiferde jetzt dem vorgezogenen Erschließungsvertrag zu, damit die neuen Investoren noch im Sommer mit dem Strassenbau beginnen können. Den nur wenig veränderten Bebauungsplan will das Stadtplanungsamt Ende Juni nachschieben. Auch die Mitglieder des Bauausschusses waren mit dem Verfahren wegen des Zeitgewinns einverstanden.

2o Jahre hatte der Kampf des Architekten Hans-Harro Thiele um ein ökologisches Baugebiet an der Schaltstellen zwischen Stöckheim und Melverode gedauert. Als der Bauantrag schließlich genehmigt war, blieben die Interessenten aus. Wie Thiele gegenüber der BZ im September 1998 selbst analysierte, fühlten sich potentielle Hausbesitzer von der genossenschaftlichen Teilung anstelle des üblichen Gründstückserwerbs abgeschreckt. Die Kosten von 4ooo Mark pro Quadratmeter Wohnfläche seien nicht zu hoch, sondern in Stöckheim inzwischen üblich, beteuerte Thiele damals.

Mit einer Klage der Stadt gegen den Bauherrn, der Renaturierungskosten nicht bezahlen wollte, geriet der Bebauungsplan erneut ins Trudeln. Das Gericht hatte Formfehler entdeckt. Einzig sichtbares Zeichen der ökologischen Idee war die Energiezentrale in Form einer gläsernen Pyramide. Thiele war mit seinem Architekturbüro KreuzwegNeun dort eingezogen. Nun steht die Pyramide leer, die Bauträger haben gewechselt.

In reizvoll naher Lage zu verschiedenen Erholungsgebieten wollen private Investoren, angeführt von der Wideraufbau-Immobilien GmbH, laut Baulandbroschüre der Stadt 6o Einfamilienhäuser und etwa 1oo Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern (Doppelhäuser, Reihenhäuser, sowie zweigeschossige Mehrfamilienhäuser) errichten.

Aus Sicht des Stadtplanungsamtes sei der Plan eines strikt autofreien ökologischen Baugebietes gescheitert, "weil Hausbesitzer mit ihrem Kasten Bier nun mal bis vor die Haustür fahren wollen", so Amtsleiter Dr.Ernst-Dietrich Heidenreich vor dem Bezirksrat Stöckheim/Leiferde. Wichtigste Änderung des Bebauungsplanes wird daher die Anlage öffentlicher Strassen anstelle privater Wege. Die genau sind Gegenstand des Erschließungsvertrages. Danach werden die Bauträger die Strasse auf eigene Kosten ausbauen und sie dann unentgeltlich an die Stadt übertragen, welche dann für die weitere Unterhaltung zuständig ist. 9o% der Kosten können die Erschließungsträger auf die Käufer umlegen. Die Anlage der Kanalisation, so Heidenreich ausdrücklich, bliebe jedoch in der Hand der Stadt und werde über Abwassergebühren finanziert.

Die Erschließungsträger sorgen laut Vertrag ferner für einen Lärmschutzwall am Spielplatz und die Ausgleichsmaßnahmen, Pflanzungen auf einem Grundstück auf der Rüninger Seite in Eisenbahnnähe. Ulrike Schlingmann-Wendenburg (SPD) befürchtet, dass der vom Bezirksrat gebilligte ursprüngliche Bebauungsplan in neuer Fassung mehr Änderungen als nur den Status der Strasse enthalten könne. "Dann müssten wir die Reißleine ziehen." Laut Amtsleiter Heidenreich sei nur mit geringfügigen Abweichungen zu rechnen.

 
| zurück |