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Ökologische
Siedlung "Am Zoo" zwischen Melverode und Stöckheim: Zwischen
Unkraut keimt Hoffnung
Grundstück
soll jetzt scheibchenweise verkauft werden
Von
Karla Götz
Was wird
aus der ökologischen Siedlung "Am Zoo", die die Nahtstelle zwischen Stöckheim
und Melverode schließen sollte? Die Energiepyramide, die bläulich
zwischen Beifuß und Goldrute hindurchschimmert, ist einsam geblieben.
Das Gerücht vom Ende der Öko-Siedlung kreist.
Architekt
Hans-Harro Thiele bezeichnet sich immer noch als "hoffnungslosen Optimisten",
und im Stadtplanungsamt haben "Kapazitätsgründe" die gerichtlich verordnete
Wiederauflage des Bebauungsplanes um ein gutes Jahr verzögert. Die Stadt
habe 1997 gegen "Kreuzweg Neun Ökologisch Bauen GmbH" geklagt, weil die
Bauherren der 200 Wohneinheiten umfassenden Siedlung den Grundstückserwerb
für eine laut Bundesnaturschutzgesetz notwendige Ausgleichsmaßnahme nicht
zahlen wollten, faßt der Leiter des Stadtplanungsamtes, Dr. Ernst-Dietrich
Heidenreich, die jüngsten Ereignisse der 20jährigen Vorgeschichte auf
BZ-Anfrage zusammen. Dabei sei eine Panne passiert. Das Braunschweiger
Verwaltungsgericht habe festgestellt, daß die Renaturierung einer Okerwiese
statt im Bebauungs- plan in einem städtebaulichen Vertrag – und dort auch
noch ungenau – geregelt war.

"Meine
Kinder sollten hier aufwachsen und sind jetzt groß." Hans-Harro
Thiele in der gläsernen Pyramide mit Blick aufs Bauland. Foto:
Guntram Jordan
So
müsse die Stadt Hausaufgaben machen, ehe sie die Gesellschaft KeuzwegNeun
zur Kasse bitten könne. Deren Geschäftsführer und Architekt Hans-Harro
Thiele winkt nur ab: Sechs Monate sollte der neue B-Plan auf sich warten
lassen, Anfang September habe die Stadt schriftlich eine voraussichtliche
Verzögerung bis Mitte 1999 angekündigt. Außer dem früheren Stadtbaurat
Beckmann habe dort niemand die ökologische Siedlung richtig gewollt, enthüllt
Thiele und fügt Schmähworte über norddeutsche Unbeweglichkeit an. "Was
ich 1977 träumte, ist immer noch richtig" sagt der Mann, der in dem Projekt
sein Lebenswerk sieht. Zwei Jahrzehnte Verschleppung hätten Gelegenheit
gegeben, das energiesparende Konzept zu verfeinern. Zum Glück beschäftige
KreuzwegNeun sich noch mit anderen Projekten wie Altbausanierung in Staßfurt
(Sachsen-Anhalt).
Der
Stoßseufzer "ich glaube bald selbst nicht mehr daran" rutscht dem Ökoplaner
beim Rundblick auf das Wildkräuterbiotop heraus. In der Pyramide hat das
Unternehmen mit fünf Mitarbeitern zwischen Holzbalken und getöntem Glas
ein sehenswertes Büro bezogen, "damit das Ding nicht’ verrostet". Darunter
befindet sich ein Energiekeller mit allen Hausanschlüssen für Gas, Wasser
Strom, Technik zur Kraft-Wärme-Kopplung, Spitzenlastkesseln und Druckerhöhungsanlage.
Ringsum liegen Tausende Quadratmeter erschlossenes Bauland samt Straße
brach.
Warum
sich nicht genügend Interessenten fanden? Thiele sieht die Gründe nicht
im Preis von 4000 Mark pro Quadratmeter Wohnfläche. Der sei bei den Bauträgern
im Umkreis nicht niedriger. Der genossenschaftliche Teilungsgedanke statt
Grundstückserwerb sei es gewesen. Was in Süddeutschland funktioniere,
sei für die Leute in dieser Region "ein Riesenproblem".
Zögerlich
war folglich das Interesse. Auf hemmende Formfehler im Bebauungsplan folgten
im Januar die Kündigung der Bank und die Forderung nach Rückzahlung des
Erschließungsdarlehens in Höhe von sechs Millionen Mark. Der Geschäftsführer
von KreuzwegNeun warf das Handtuch, Thiele sprang ein. "Ich halte die
Handwerker still und die Bank, die zwischendrin versteigern wollte, in
Schach." Der frühere Eigentümer des Rübenackers will den Grundstücksvertrag
rückgängig machen.
Inzwischen
wollen die Planer ihr Projekt scheibchenweise loswerden. Das erschlossene
Grundstück soll in vier üherschaubaren Teilen an Bauträger verkauft, die
Energiepyramide in die Hand der Stadtwerke gegeben werden. Ob es klappt,
hängt nach Thieles Meinung entscheidend von der Beweglichkeit der Stadt
ab. Auf die Homepage im Internet (http://www.KreuzwegNeun.com) erhalte
er immerhin 25 Anfragen in der Woche.
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