| Von Harald Duin Eine
Glaspyramide! Magisches Zeichen im Sonnenlicht, Symbol
dafür, wie eine schöne Idee trotz bürokratischer
Mühlen in die Wirklichkeit hin-übergerettet werden
kann. Da kann schließlich jeder kommen und eine
"ökologische Siedlung" planen. Wer anders
bauen möchte, liegt bei den Behörden leicht daneben.
Doch jetzt ist es soweit. 194 Wohneinheiten sollen
entstehen: Kuschelig zusammenrückende Häuser in einer
Gartenlandschaft. Für die Autos gibt es eine
Sammelgarage am Rande.
Und
weil das Ganze ziemlich erklärungsbedürftig ist, stehen
wir am Montag mit Hans-Harro Thiele schwitzend unter
seinem Pyramidendach. 1981 erste flüchtige Skizzen in
Thieles Atelier. Allen erklärte der Architekt sodann, er
wolle am Rande von Stöckheim Energie sparen, die Umwelt
schonen und ein Zeichen für Wohngesundheit setzen.
Jetzt, nach 16 Jahren, ist seine Einschätzung klar:
"Mein Lebenswerk". Dabei helfen ihm die
Architekten Martin Sporrer und Horst Schmied.
Computer-Simulationen
Die
Energiekostenrechnung ist x-mal im Computer simuliert
worden. Die Pyramide bietet Platz für Büros und ist
gleichzeitig das Herz der Siedlung für die
Energieproduktion. Blockheizkraftwerke erzeugen durch
ihre Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme gleichzeitig.
Dieses System wird in thermischen Spitzenzeiten durch
einen modernen Gas-Brennwertkessel unterstützt.Dazu
kommen Photovoltaik-Anlagen auf der Südseite der
Pyramide und auf den Garagen. In dessen Spitze läuft
außerdem ein Windrotor, der nahezu geräuschfrei Strom
liefert.
Info-Display
Die Bewohner können,
wenn sie wollen, alle Energievorgänge auf ihrem
hausinternen "Info-Display" beobachten und ihr
Verhalten energiebewußter steuern. Sie können ihre
Haushaltsmaschinen preisgünstig dann laufen lassen, wenn
gerade wenig oder kein Strom aus dem öffentlichen Netz
kommt. Auf dem Info-Display sollen ferner weitere Dienste
wie Außentemperatur, Datum, Zeit, Ozonwerte und der
eigene Ressourcenverbrauch grafisch dargestellt werden.
Denkbar auch Informationen über Fahrpläne von Bus und
Straßenbahn. Für den gesamten Energiebereich gibt es
keine Betreibergesellschaft. Die Bewohner sind über ihre
Verwaltung entscheidungsfähige Eigentümer der Anlage.
Bauherr der Siedlung ist die von Thiele gegründete
"KreuzwegNeun Ökologisch Bauen GmbH". Gebaut
wird nur dann, wenn der Wohnraum verkauft worden ist.
Sollten die Dimensionen ausgereizt werden, entstünde
hier nach Thieles Einschätzung die größte ökologische
Siedlung Deutschlands mit einem Aufwand von rund
88 Millionen Mark. Der Quadratmeter Wohnfläche soll etwa
4000 Mark kosten. Der Anreiz ist der,
"vernetzt" zu wohnen, sein eigener
Energie-Manager zu sein mit dem "Saft"
aus der Pyramide und mit dem schönen Gefühl, etwas
ungewöhnlicher zu wohnen.
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 Die Glaspyramide als
Symbol für die ökologische Siedlung am südlichen Rand
Stöckheims.
Foto: David Taylor
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