Braunschweiger Zeitung vom Mittwoch, 28.Juni1989
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Warten auf weitere Öko-Knospen am Bau
Hans Harro Thieles Argumente für ein Stöckheimer Projekt

Hans Harro Thiele, Braunschweiger Architekt, kam in diesen Tagen wieder einmal ins Grübeln über die Braunschweiger Stadtverwaltung. Gerade (am 16. Juni) hatte er unserer Zeitung entnommen, daß die Mascheroder Bürger ein Neubaugebiet mit 80 Einfamilienhäusern nicht haben wollen, das zu errichten die Stadt sich wild entschlossen zeigte. Thiele wunderte sich. Hatte er doch mit seinen Kollegen Giesler, Schmied, Sporrer und Witt schon 1984 ein Gutachten vorgelegt, das die Errichtung eines "Ökologischen Dorfes" auf einem Rübenacker unweit des Stöckheimer Zoos vorsah. Das schon notariell abgesicherte Projekt – hier geht es um Wohnraum für 140 Familien – wurde damals nach ermutigenden Signalen aus dem Rathaus ausführlich begründet vorgelegt. Acht dicke Mappen, angereichert mit farbigen Lageplänen, das Ergebnis von zwei Jahren Arbeit, wurden ins Rathaus geschickt. Keine Mappe kam zurück. Was kam, war ein Brief des Stadtplanungsamtes vom 19. Dezember 1985. Darin wurde schlicht bezweifelt, daß es ausreichend Interessenten für die ökologischen Bauten gebe. Am Schluß des Briefes hieß es: "Allerdings halten wir den Ansatz des ökologischen Bauens grundsätzlich für verfolgenswert". Ein Wort, das im Polizeideutsch einen bestimmten Klang hat, hier aber wohl bedeutet, daß die Idee etwas für sich habe. Thiele hat danach immer mal wieder im Rathaus vergeblich nachgefragt. Die einst formierte "Planungsgruppe für Ökologisches Bauen" (pöb) welkte dahin. Faktum ist auch, daß das lustlos behandelte Vorhaben gar nicht erst detailliert den Ratsmitgliedern vorgestellt wurde. Thiele hat erst später erfahren, wie in einem Gespräch mit Mandatsträgern lapidar "ein paar Spinner mit grünen Häusern" erwähnt wurden.


Reihenhaus-Typ mit Wintergärten, entwickelt von der Braunschweiger Planungsgruppe für ökologisches Bauen. Die reine Wohnfläche beträgt 160 Quadratmeter. Foto: David Taylor

Aber: Was vor Jahren angenommen werden konnte ("keine ausreichenden Interessenten"), gilt schwerlich 1989 in einer Zeit wachsender Wohnungsnot. Das ist nicht nur die Auffassung Thieles, daß bei der Beurteilung des Braunschweiger Wohnungsmarktes Fehler gemacht worden sind. Das "Ökologische Dorf" soll eben nicht eine Siedlung für "Spinner" sein, sondern unter anderem vernünftige Prinzipien des traditionellen Bauens berücksichtigen. Vorgesehen sind

  • weitestgehende Vermeidung versiegelter Flächen,
  • Speicherung des Niederschlagswassers,
  • gemeinsame Windschutzpflanzungen,
  • Einbau von Wärmefallen mit Wärmespeichern (Gewächshäuser, Wintergärten),
  • Nutzung der Solarenergie zur Brauchwassererwärmung oder zur Heizung,
  • Verwendung von Baustoffen ohne chemische Ausdünstungen.
  • Eventuelle Einsparung eines Abwasserkanalsystems durch eigene biologische Abwasserreinigung ("Wurzelraumentsorgung").

Nicht machbare Visionen? Einzelbeispiele existieren schon in Braunschweig. Aber anderswo regen sich die Öko-Knospen mit offizieller Förderung. In Hannover-Bothfeld entstand eine ganze Siedlung. Krailling bei München will ähnlich "zukunftsweisend wirken", wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Und hier? -ui-

 
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