Bebauung
 Baustoffe
Boden
Begrünung

Energie
Wasser

Abfall
Verkehr

Grundstück
Psychologie
Energie sparen, die Umwelt schonen, wohngesund in einer der schönsten Gegenden Braunschweigs leben und keine Abgase aus Einzelheizungen oder offenen Kaminen in dieser obendrein autolosen Siedlung ist zwar das vornehmste Ziel unserer Siedlungskonzeption, die Senkung der täglichen Energiekosten im eigenen Heim - der sogenannten "zweiten Miete" - durch Nutzung modernster Technologie ist aber ein gleichgroßes Anliegen - und die erreichbaren Werte lassen sich sogar noch steigern, wenn unsere Bewohner den Hinweisen ihres Wohnungs-Informationsdisplays folgen, das in jeder Wohneinheit eingebaut ist.
Natürliche Kreisläufe zu erhalten, sollte ein Menschenziel sein. Höchste Wärmedämmung beim Häuserbauen ist so ein Ziel. Unsere Häuser z.B. im WB 2 liegen beim Wärmebedarf mehr als 25% (Endhaus -26%, Mittelhaus sogar -3o%) unter den Forderungen der gültigen Wärmeschutzverordnung und sind darum auch für Fördermittel im CO2 sparenden Bereich für Niedrigenergiehäuser geeignet. Wir erreichen diesen hohen Standard aber ohne schaumstoffverklebte, dampfdichte und schimmelpilzfördernde Thermo-Aussenhüllen, weil diese petrochemischen Stoffe im vernetzten Naturkreislauf leider nur "Halbkreise" bilden.
Simulationen einer Energiekostenrechnung für unsere Siedlung zeigen eine Deckung des Wärmebedarfs mit 65% bis 85% über unsere Blockheizkraftwerke und 15% bis 35% über den zusätzlichen Gasspitzenlastkessel. Dabei produzieren wir etwa 75% des Siedlungsstromverbrauchs mit unserer Kraft-Wärme-Kopplung, 6% Strom kommt aus Photovoltaik und Wind und nur 20% bis 25% kommen von den öffentlichen Versorgern.
Grundsätzlich muß ein ökologisch durchdachtes Siedlungsprojekt also sparsamsten Umgang mit Boden, Wasser, Luft, Energie und Rohstoffen sicherstellen. Diese Sparsamkeit schont dann auf sehr vielfältige Weise die Umwelt und bewirkt zum Beispiel im Bereich des Bauens und unter Nutzung von High-Tech, auch eine entsprechende Reduzierung der ständig weiter steigenden Wohnhausnebenkosten.
Solche Ziele sind aber wie alle guten Ideen, immer nur innerhalb einer größeren Gemeinschaft erreichbar, wobei solche Konzepte von wenigen angedacht und mit vielen Teilnehmern dann zuende gedacht werden - entsprechend überzeugend müssen die Inhalte sein.

Im Einzelnen sind es daher folgende Punkte, die wir mit dieser Siedlung auf diesem Grundstück seit 1981 (!) in ständig sich erneuernden Anträgen der Stadt Braunschweig mit der Bitte um Mithilfe, aktives Teilnehmen oder doch wenigsten um simple Genehmigungen immer wieder vorgetragen haben.

BEBAUUNG

Haus

Am Planungsanfang einer ökologischen Siedlung muß ein Bebauungsplankonzept stehen, das bei Abkehr von üblicher städtebaulicher Grafik, Verzicht auf herkömmliche Erschließung mit normalen Straßen, Wegen, Parkplätzen, Baugrenzen, oder den gewohnten Ver- und Entsorgungsanlagen – auf einem sehr jungfräulichen Grundstück also – eine energetisch richtige, generell nach Süden auszurichtende Wohnbebauung zulassen muß, denn erst im Norden dicht gedämmte und nach Süden weit geöffnete Wohnhäuser machen eine passive Solarnutzung sinnvoll möglich, die Erschließungsstraße und der Verkehr sollten dagegen im unfreundlichen Norden einer Bebauung liegen können – also ein bereits städteplanerisch umsetzbarer Schritt zur nachhaltigen Energieeinsparung.

BAUSTOFFE

Baustoffe

Eigentlich unverzichtbar und in unserer Siedlung auch selbstverständlich ist die Beschränkung auf gesundheitlich und ökologisch unbedenkliche Stoffe. Wichtige Kriterien für deren Auswahl sind nachwachsendes oder reichliches Vorkommen, kurze Transportwege, schonende Herstellungsweisen, Freiheit von Giftstoffen, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit - also Stoffe mit geschlossenen Kreisläufen.
Mit solch natürlichen und strahlungsarmen Materialien muß im Wohnbereich neben hoher Wärmedämmung auch eine gleichzeitig hohe Energiespeicherfähigkeit erreicht werden, ohne dabei dampfdichte Thermofassaden zu erhalten, die wegen der zwangsläufig feuchtwerdenden Konstruktionen nach einigen Jahren trotz Erfüllung der Bauvorschriften eher das Gegenteil von Dämmung, Speicherung, Energieeinsparung und gesundem Wohnen bewirken.

BODEN

gruener Boden

Bei der Nutzung von Grund und Boden ist ein Minimum an Versiegelung anzustreben, alle Straßen, Wege und Terrassen werden darum wasserdurchlässig angelegt. Gebäude und Wohnhäuser werden zugunsten größerer zusammenhängender Grünflächen baulich stark verdichtet, wobei die Verdichtung, also das "Zusammenkuscheln" von Gebäuden zugunsten unversiegelter Bodenflächen durchaus eine zusätzlich energiesparende Komponente besitzt.

BEGRÜNUNG

Baum

Freiflächen und Gärten werden mit standortgerechten heimischen Blumen, Büschen, Bäumen und Sträuchern besetzt, Zäune werden durch Hecken gebildet, Grünflächen sollen keine Solitärpflanzendekoration, sondern vernetzte Lebensräume für eine Vielfalt von Insekten sein. Solche Biotop-Anlagen, aber auch Obst- und Gemüsebeete gedeihen dann ohne Gift. Eine verdichtete Bebauung mit unversiegelten Wohnwegen macht nämlich vernetzte Grünflächen als kleine Biotope möglich, Naherholung soll also schon vor der Haustür stattfinden. Weiche Übergänge durch begrünte Dächer und Fassaden mildern obendrein den beim Bauen unvermeidbaren Eingriff in die Natur.

ENERGIE

Energie

Energiesparlampen, stromsparende Haushaltsgeräte und warmwasserbetriebene Waschmaschinen sind heute bereits Standard. Für eine Öko-Siedlung aber, mit umweltschonender dezentraler Energie-Produktion und kurzen Versorgungswegen, eignen sich besonders gut Blockheizkraftwerke (BHKW), weil diese durch ihre Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme gleichzeitig produzieren und damit die eingesetzte Primärenergie zu fast 90% nutzen (herkömmliche Großkraftwerke nutzen derzeit etwa 33%).
Unsere kaskadenartig geschalteten BHKW-Module werden zu thermischen Spitzenlastzeiten durch einen modernen Gas-Brennwertkessel unterstützt, und ca. 40kW
peak Photovoltaik – montiert auf den Garagen und der Südseite der Pyramide – erzeugen außerdem aus Sonnenenergie emissionsfrei Strom. Zusätzlich wird in der Spitze unserer Energie-Pyramide ein Windrotor eingesetzt, der nahezu geräuschfrei Strom aus Wind erzeugt. Um ein geplantes großes Windrad in Siedlungsnähe zur Direkteinspeisung in die Siedlung bemühen wir uns derzeit noch.
Um Sicherheiten gegen Energieausfall zu haben, aber auch um den Leistungspreis von Gas niedrig zu halten, werden kostentreibende Verbrauchsspitzen bei unserer Konzeption durch einen zusätzlich eingebauten Ölheizkessel abgeflacht.
Die gesamte Energieherstellung unserer Wohnanlage wird in einer symbolträchtigen Pyramide im Zentrum der Siedlung zusammengefaßt und von einer Direct-Digital-Control sowie einer computergesteuerten Gebäudeleittechnik energetisch optimiert. Teilstück dieser Optimierung ist ein großer Wärmespeicher, der, wenn vorübergehend nur Strom gebraucht wird, die Wärmeproduktion des BHKW über mehrere Stunden zwischenspeichern kann. Allein mit dieser relativ einfachen Steuerung sind weitere Einsparungen von Primärenergie möglich, also nochmals weniger CO2-Emissionen für die Umwelt und weniger Kosten für die Bewohner.
Der umgekehrte Fall, nämlich elektrische Energie zu speichern, ist heute noch kaum möglich, darum wird auch bei uns eine gewisse Menge Strom ins öffentliche Netz zu geringen Gebühren eingeleitet - aber der Platz und die Voraussetzungen zum Stromspeichern sind in unserer Pyramide schon angedacht.
Die Bewohner können, wenn sie möchten, diese ganzen Energievorgänge auf ihrem hausinternen "Info-Display" beobachten, sie können Verbrauchshinweise abrufen und damit ihr Verhalten energiebewußter steuern, wann es z.B. günstig ist, eine Waschmaschine oder Spülmaschine zu betreiben, um den teureren und emissionsreicheren Strombezug vom externen Energieversorgungsunternehmen nochmals reduzieren zu können.
Ohne Fun fängt aber nix an und darum werden auf dem Info-Display in jeder Wohnung zusätzlich weitere Dienste wie Außentemperatur, Datum, Zeit, Ozonwerte und der eigene Ressourcenverbrauch intuitiv grafisch dargestellt. Außerdem können z.B. Bus- und Straßenbahnfahrpläne, Taxisammelruf oder sonstige Infos angeboten werden.
Ein besonderes Angebot wird für berufstätige Bewohner ein ferngeschalteter Stromanschluß im eigenen Keller sein, der Waschmaschine, Kühltruhe o.ä. in der preiswerten Eigenstromphase anknipst.

WASSER

Wasser

Einrichtungen wie Spartasten beim WC und Durchlaufbegrenzer senken heute üblicherweise den Bedarf an Trinkwasser, getrennte Wasserkreisläufe in den Häusern unserer Siedlung machen es darüber hinaus möglich, in Zisternen gesammeltes Regenwasser für Toilettenspülung, Waschmaschine oder Gartenbewässerung zu verwenden. Auch aufbereitetes Brauchwasser aus Dusche und Spülbecken läßt sich auf Wunsch nochmals nutzen. Der Bezug von wertvollem Trinkwasser wird eingeschränkt und die dabei mögliche Einsparung schont nicht nur die Umwelt, sondern spart eben auch an den zukünftig noch ganz handfest steigenden Wassergebühren.

ABFALL

Abfall

Konsequente Abfalltrennung ist heute selbstverständlich, zusätzlich sollte, wenn es das Umfeld erlaubt, eine eigene Kompostierung möglich sein - alle Voraussetzungen hierzu werden in unserer Siedlung geschaffen. Die autofreie Lösung unserer Siedlung zwingt den Müll an die Erschließungsstraße, wobei allein der Weg dorthin kritische Gedanken zur eigenen Müllmenge anregen.

VERKEHR

Verkehr

Keine noch so Ökologische Siedlung kann ein Inseldasein führen. Wenn man aber eine solche Wohnanlage mit den gesetzlichen Möglichkeiten nach dem WEG (Wohnungseigentumsgesetz) indirekt teilt, dann lassen sich Verbrennungsmotoren aus dem Innenbereich einer Wohnanlage weitgehend fernhalten. Alle Wege in unserer Siedlung - nur in äußersten Notfällen befahrbar - werden daher dauerhaft zu reinen Fußwegen und gefahrlosen Spielzonen.
Radwege zu Schulen und Einkaufsstellen, am Südsee entlang in die Innenstadt, sowie ein gut erreichbarer öffentlicher Nahverkehr erhöhen in unserer Siedlung nicht nur die Akzeptanz zur Sammelgarage am Rande des Wohngebietes, sondern vielleicht auch manchmal die Bereitschaft zur Nutzung umweltschonenderer Fortbewegungsmittel.

GRUNDSTÜCK

Haus im Gruenen

Trotz einer ideellen Teilung der vier Flurstücke wird den einzelnen Wohnhäusern viel Fläche als alleiniges Sondereigentum zugeordnet, damit nur das nötigste Gemeinschaftseigentum und nur so wenig wie möglich gemeinschaftliche Grundstückspflegekosten entstehen - jeder erhält also die Grundstücksfläche um sein Haus herum als alleiniges Eigentum.

PSYCHOLOGIE

Idee

Unser Leben wird immer komplizierter, Umfeld und Umwelt beginnen die Menschen psychisch und physisch zu überfordern, eine ökologische Siedlung sollte darum, statt ein aufdringlich architektonisches Eigenleben zu führen, eher dem inneren Ausgleich, der Entspannung und Beruhigung dienen, wenigstens zu Hause sollte man die Seele baumeln lassen können.
Eine solche Siedlung setzt aber auch verantwortungsvolle Menschen voraus, wobei die sichtbare Bewußtmachung der vorgenannten Ziele und der direkte finanzielle Vorteil bei umweltgerechter Verhaltensweise im Sinne unseres Energiemanagements, die innere Bereitschaft zum umweltbewußt-ökologischen Handeln weiter wachsen lassen.
Ein aus der Schule kommendes Kind - ohnehin multimedial zu begeistern - stellt mit einem Blick auf das aktivierte Info-Diplay hinter der Wohnungstür fest, daß die Waschmaschine läuft, obwohl der Strom gerade ungünstig aus dem Netz kommt, oder daß der Gartenteich gefüllt wird, obwohl der Regenspeicher leer ist - ohne großen Aufwand lassen sich all diese Daten des Displays auch auf den heimischen Computer oder sogar auf den normalen Fernseher aufspielen ..........
Umweltgerechtes Verhalten setzt ein stark vernetztes Bewußtsein voraus, das von den menschlichen Genen in der Evolution nicht gespeichert werden konnte. Unsere und insbesondere die späteren Generationen müssen jetzt dringend lernen, daß die fast unbegrenzten technischen Möglichkeiten zur Nutzung von Natur und Ressourcen auch das Begreifen von Zusammenhängen mit der freiwilligen Beschränkung beim Verbrauch von Natur und Umwelt erforderlich machen, denn was wir der nächsten Generation hinterlassen, ist schon heute sehr bedenklich. Und es wird Zeit, denn kein geringerer als Max Planck hat schon gewußt, daß auch wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse sich nicht durch Überzeugung der Zweifler, sondern nur durch deren Aussterben, durchsetzen.
Man könnte es auch so sagen: das Wort Gottes im Alten Testament an die Menschheit: "...gehet hin, und machet Euch die Erde untertan..." haben wir wohl falsch verstanden.